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Gärtnern am besten ohne Torf

Nun beginnt für Garten- und Balkonbesitzer wieder die Pflanzsaison. Das Angebot an Blumenerden ist riesengroß, aber die meisten Erden enthalten immer noch Torf aus schützenswerten Hochmooren, meist aus Finnland, dem Baltikum oder Weiß-russland, aber auch aus Deutschland. Torf trägt durch seine grobfaserige Struktur zur Bodenbelüftung bei und kann das vier- bis zehnfache seines Gewichtes an Wasser speichern. Diesen positiven Eigenschaften stehen aber auch viele negative Aspekte gegenüber.

Vielen Hobbygärtnern ist nicht bewusst, dass sie mit dem Kauf von torfhaltiger Erde zur Zerstörung wertvoller und schützenswerter Moore beitragen. Der in unseren Gärten und im Landschaftsbau eingesetzte Torf wird in Hochmooren gewonnen, die über Zehntausende von Jahren gewachsen sind. Durch den großflächigen Frästorfabbau werden heute noch intakte Hochmoore irreversibel zerstört. Seltene Tier- und Pflanzenarten verlieren ihren Lebensraum. Aus diesem Grund sollte man auf Torf im Garten gänzlich verzichten. Allein in Deutschland werden alljährlich ca. 10 Millionen Kubikmeter Torf verbraucht, etwa 2,5 Millionen Kubikmeter davon werden in Säcken an Freizeitgärtner verkauft.

Moore, vor allem die torfreichen Hochmoore, leisten durch die Einlagerung von pflanzlichem Material - also Kohlenstoff - einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Nur 3 Prozent der Erdoberfläche ist von Mooren bedeckt, aber dort lagern 30 Prozent der weltweiten Boden-Kohlenstoffvorräte!

Bei einer Verwendung des Torfs beispielsweise in Blumenerde werden die Kohlenstoffe bei der Verrottung in Form von Kohlendioxid wieder freigesetzt. Nach Angaben des BUND und EURONATUR werden allein in deutschen Mooren so jährlich durch Trockenlegung und Abbau 42 Millionen Tonnen an Kohlendioxid freigesetzt. Zudem setzt ein beschädigtes Moor große Mengen an Lachgas frei, das über 300 Mal klimaschädlicher ist als Kohlendioxid.

Es ist sehr wichtig, dass sich der Staat, die Kommunen, die Bürger, Vereine und Landwirte vor Ort für die Renaturierung wertvoller Hochmoore einsetzen, wie jetzt im Vorhaben zur Renaturierung des Waginger Weitmooses angedacht. Dazu im Widerspruch steht aber, wenn gleichzeitig in Osteuropa ein Vielfaches der Moorflächen zur Torferzeugung für unseren Gartenbau zerstört wird!

Der Einsatz von Torf ist auch für die Bodenlebewesen und die Pflanzen nicht immer von Vorteil: Torfpflanzen machen nicht nur das Moor sauer, sondern auch die Gartenerde. Dadurch können gebundene Schwermetalle freigesetzt werden, die dann von den Pflanzen aufgenommen werden. Dies ist besonders in Gemüse- und Kräuterbeeten von Nachteil.

Torf enthält kaum Nährstoffe und trägt wenig zum Pflanzenwachstum bei. Darum werden viele käufliche Torfsubstrate mit Kunstdüngern versetzt. Ist der Torf einmal ausgetrocknet, dann verliert er seine wasserspeichernde Fähigkeit.

Dabei gibt es viele Alternativen bei der Zusammenstellung der Blumenerden, die im Gegensatz zu Torf die Böden nicht versauern und die Wasseraufnahmefähigkeit verbessern. In vielen Gartencentern und Blumenläden gibt es inzwischen torffreie Erdsubstrate mit Kokosfasern und Rindenhumus, ein Blick auf die Liste der Inhaltsstoffe gibt Sicherheit. Rindenkompost kann wegen seines erhöhten Säuregehaltes anstelle von Torf für Rhododendren- und Erikabeete verwendet werden.

Im Garten kann man Erde auch selbst mischen aus Gartenerde, reifer Komposterde, Laubkompost, Holz- oder Kokosfasern, Lehm und etwas Sand. Es gibt z.B. in Eine-Welt-Läden gepresste Kokosfasern aus Fairem Handel zu kaufen. Damit werden Kleinbauern in Ländern des Südens unterstützt. Kokosfasern trocknen etwa genauso schnell aus wie Torf, sie nehmen aber bis zu 30 Prozent mehr Feuchtigkeit auf. Die Kokos-Ziegel werden in einem Verhältnis von 1:9 bis 1:10 in Wasser aufgelöst und dann mit den übrigen "Zutaten" gut vermischt.

So kann jeder Einzelne schon beim Erde-Kauf einen Beitrag zum Erhalt unserer wertvollen Moore mit einzigartigen Tier- und Pflanzenarten und zum Klimaschutz leisten.

Dipl.Biol Beate Rutkowski, Sprecherin AG Artenschutz und Streuobst in der Ökomodellregion

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Den BUND-Einkaufsführer "blumenerde ohne Torf" finden Sie hier...