MenuKreisgruppe TraunsteinBUND Naturschutz in Bayern e. V.

Demo Gegen Atomkraft

am 24.04.10 in Traunstein
Redebeitrag von Hermann Eschenbeck, 2. Vorsitzender der Kreisgruppe des Bund Naturschutz Traunstein

Liebe Freundinnen und Freunde, Gegner der Kernkraft,

Im Jahr 1954, also vor 56 Jahren durfte ich an meiner Schule die Abiturrede halten. Ich wurde von den Lehrern und von meinen Mitschülern sehr gelobt, denn ich prophezeite der Bundesrepublik Deutschland eine glänzende Zukunft mit der Kernenergie als unerschöpfliche Energiequelle.  Ich habe meine Meinung dann bald geändert – aber viele Politiker haben das bis heute noch nicht.

Ich habe es lange nicht glauben können, dass der Ausstieg vom Ausstieg wieder ein Thema werden soll, aber mit der neuen Bundesregierung sind wir jetzt so weit. Alle Bedenken werden beiseitegeschoben wegen eines kurzfristigen Profits der Atomindustrie.

Kernenergie ist heute genau so tödlich wie in den Tagen von Tschernobyl. Schon in den 80er Jahren hat man berechnet, dass bei einer Betriebszeit von 40 Jahren das Risiko eines Super-Gaus bei 16% liegt. Das ist das bekannte „Restrisiko“ das wir nach einer obergerichtlichen Entscheidung tragen müssen. Alle statistischen Wahrscheinlichkeits-Rechnungen sind hinfällig geworden, seit nach dem 11. September 2001
terroristische Anschläge zu einer realen Bedrohung geworden sind. Wir hören von unseren Politikern: “Die deutschen Kernkraftwerke sind die sichersten der Welt.“ Das ist eine dicke Lüge: Bei dem internationalen Sicherheitsvergleich der OECD von 1997 war das deutsche Referenzkraftwerk Biblis B im europaweiten Vergleich hinsichtlich der Kernschmelzgefahr das unsicherste.

Das gilt  schon für den normalen Betrieb – was ist bei einem Terroranschlag?

Kein einziges deutsches AKW hält den Aufprall eines großen Verkehrsflugzeugs aus. Aber: Wer meint, dass Terroristen nur aus der Luft angreifen, der unterschätzt ihre Phantasie. Unsere AKWs mitten in dichtbesiedelten Gebieten, in der Nähe von Autostraßen sind auf vielfältige Weise verletzbar. Im Sommer 2009 gelang es Greenpeace ohne irgendein Problem eine ganze Busladung voll Aktivisten auf das Gelände des AKW Unterweser zu schleusen. Wenn man ungehindert ein Transparent an der Kraftwerkskuppel hissen kann, dann kann man auch eine Sprengladung setzen. Wir können leider nicht ausschließen, dass auch Osama Bin Laden das Greenpeace-Magazin liest und dabei auf dumme Gedanken kommt..

Die Schäden bei einem Supergau wären gigantisch. Ganze Regierungsbezirke oder gar Bundesländer würden auf Dauer unbewohnbar sein. Millionen von Menschen würden Obdach und Heimat verlieren. Tausende  würden unmittelbar sterben, Millionen später an Krebs.

Der Großraum Hamburg oder das Rhein-Main-Gebiet sind bis zu 30mal so dicht besiedelt wie die Gegend um Tschernobyl. Wenn Ohu durchgeht, brauchen wir uns um die dritte Startbahn am Münchner Flughafen keine Gedanken mehr zu machen. Wir brauchen dann gar keinen Flughafen mehr.

Ein früherer Bundespräsident hat einmal gesagt: “Ein Land, das die Kernenergie friedlich nutzen will, braucht zehntausend Jahre Frieden.“ Das ist falsch: ein Land, das die Kernenergie friedlich nutzen will, braucht hunderttausend Jahre Frieden. Die Halbwertszeit von Plutonium beträgt 24 000 Jahre. Die Halbwertszeit der schwarz-gelben Bundestags-Koalition kann man auf ein Dreivierteljahr schätzen. Es ist verantwortungslos, die kommenden 4000 Generationen mit dem tödlichen Risiko der Kernkraft zu belasten.
Verantwortungslosigkeit: Was anders soll man sagen, wenn heute versucht wird, die AKWs bis zu 60 Jahren am Netz zu lassen? In 28 Jahren von heute an hätten wir dann 18000  Tonnen hochgiftigen Atommüll zu entsorgen. Sicher endgelagert haben wir noch kein einziges Kilogramm. Die Endlagersuche ist ein einziger Skandal!  Asse und Gorleben – Verdrängung, Vertuschung, Manipulation. Das Werk, das 100000 Jahre halten sollte, fällt den verantwortlichen Politikern und den Planern schon zu Lebzeiten auf die Füße.
Bitte glauben Sie nicht den Lügen der Atomlobby – die Lichter werden nicht ausgehen in Deutschland, wenn wir die AKWs jetzt abschalten. Die letzte große Stromkrise war im Atomland Frankreich – die  angeblich zuverlässigen französischen  AKWs hatten kein Kühlwasser mehr. Zum Glück konnten wir den Franzosen unseren überschüssigen Windstrom verkaufen, von den angeblich unzuverlässigen deutschen Windrädern.
Glauben Sie nicht die Lüge von der Stromlücke. Wenn die bisherigen Rahmenbedingungen weiter gelten, kann jedes AKW, das nach dem noch gültigen Atomkonsens abgeschaltet werden muß, durch Erneuerbare Energien mehr als ersetzt werden.

Liebe Freunde, durch unsere jahrzehntelange Arbeit hier in der Region – unterstützt durch das Erneuerbare Energiengesetz -  haben wir unseren Landkreis bei den Erneuer-baren in Deutschland an die Spitze gebracht. Wir danken dem Forum Ökologie und der Aktion „Vom Watzmann bis zum Wendelstein“, wir danken Peter Rubeck, wir danken Dr. Rainer Schenk.  Wir danken allen Bürgern, die ihr Haus mit Solaranlagen ausgerüstet haben.  Wir mahnen die Politik: Diese Entwicklung darf jetzt nicht abgebrochen werden.

Glauben Sie der Kernkraftlobby nicht: Es ist nicht das Erneuerbare Energiengesetz, das den Strom teuer macht, sondern es sind die erpresserischen Netzgebühren der  vier Strom-Monopolisten.

Glauben Sie nicht den Schwindel mit der Kernkraft als angeblicher Brückentechnologie. Die Kernenergie ist keine Brückentechnologie, sie ist eine Bremsblocktechnologie. Sie bremst den Marktzugang der Erneuerbaren.

Man sagt es oft leichtfertig, aber wir stehen heute wirklich an einem Wendepunkt der Energiepolitik. Wir sind in Gefahr, unsere Weltmarktführerschaft und unsere Spitzenposition bei den Erneuerbaren zu verlieren. Zehntausende von Arbeitsplätzen stehen auf dem Spiel. Lassen Sie uns gemeinsam den Ausstieg aus dem Ausstieg verhindern. Drehen Sie mit am Rad! Machen Sie Ihren eigenen Atom-Ausstieg! Wechseln Sie Ihren Stromlieferanten – wenn Sie es nicht schon getan haben.

Wir fragen Schwarz-Gelb: Wollt Ihr zurück zu den Tagen von Brokdorf und Grohnde? Wollt Ihr die Nation wieder spalten?

Lassen Sie uns zusammenstehen! Unsere Herzen sind heute bei der Menschenkette zwischen Brunsbüttel und Krümmel. Wir fühlen uns eins mit allen Bürgern, die sich heute in vielen Städten zwischen Flensburg und Traunstein versammeln und der Politik das Signal geben: Abschalten- Sofort!