MenuKreisgruppe TraunsteinBUND Naturschutz in Bayern e. V.

Das Bild der Jäger in der Öffentlichkeit

Am 11.04.2008 fand im Gasthof Jahner am Hochberg eine Podiumsdiskussion zum oben genannten Thema statt.  Veranstalter war der Ökologische Jagdverein Südost-Oberbayern.

Am Podium diskutierten: Dr. Wolfgang Kornder, 1. Vorsitzender ÖJV Bayern, Michael Lechner, 1. Vorsitzender WBV Holzkirchen, Berthold Merkel, 1. Vorsitzender der bay. Tierschützer, Dr. Werner D´Oleire-Oltmanns, 1. Vorsitzender BJV BGL und Beate Rutkowski, 1. Vorsitzende BN Traunstein. Die Diskussionsleitung hatte Dr. Christian Vordemann vom Münchner Merkur.

Der Bund Naturschutz hat seine Meinung zum Thema Jagd in einem Statement darlegen können, das im folgenden in kurzen Abrissen  dargestellt wird:

Das Bild des Jägers in der Öffentlichkeit

Ursprünglich diente die Jagd dem Überleben, der Beschaffung von Nahrung und Kleidung. Aber seit der Mensch Ackerbau betreibt, diente die Jagd auch der Eindämmung von großen Pflanzenfressern und dem Schutz vor Raubwild.  Auch heute noch ist die Nutzung von Wildbret üblich und sinnvoll, der Stellenwert für unsere Ernährung ist aber nicht mehr gegeben. Großraubwild ist fast oder ganz ausgestorben. Ist die Jagd also eigentlich noch sinnvoll?

Prinzipell muss man sich immer im Klaren sein, dass Jagd die gezielte Tötung von Mitgeschöpfen bedeutet. Das kann und darf nicht aus purem Spaß geschehen. Töten ist keine Freizeitbeschäftigung, darf keine sportliche Herausforderung sein. Die Jagd ist eine Möglichkeit der Naturnutzung und in vielen Fällen tritt der Mensch als limitierender Faktor auf, nachdem die großen Beutegreifer aus unserer Umgebung verschwunden sind.

Inzwischen hat sich in dem allergrößten Teil der Bevölkerung die Erkenntnis durchgesetzt, dass die Ausübung der Jagd auf die Schalenwildarten zum Erhalt und zur Entwicklung eines gesunden Mischwaldes unabdingbar notwendig ist. Dabei ist die Jagd tierschonend mit einer möglichst geringen Störung aller Wildtiere und der Schonung auch der Flora durchzuführen. Dort wo die Jagd verantwortungsbewußt durchgeführt  wird, können alle Waldbaumarten ohne Schutzmaßnahmen aufkommen. Der Jäger ist also ein unverzichtbarer Regulator, seine Aufgabe ist ein flächendeckendes Wildtiermanagement.

Nicht zum positiven Bild des Jägers trägt die oft geäußerte Behauptung bei, dass es kaum mehr Wild gibt und die Erfüllung der Abschussquote zum Aussterben der Tiere führt. Bei einer Strecke von über 200 000 erlegten Rehen allein in Bayern ist das kaum möglich.Der Bürgerwald Traunstein ist ein Beispiel für einen Wald, der ohne Schutz sich entwickeln kann und der gesunde und kräftige Tiere hervorbringt, wie man am Gewicht der geschossenen Tiere unschwer erkennen kann. Die Abschussquote wird hier eingehalten . Der Jäger ist in diesem Fall also nicht nur ein Bewahrer der Artenvielfalt, sondern auch der Tiergesundheit. Auch bei den Gämsen bringen kleinere Rudel mehr und gesündere Kitze hervor, als große Rudel.

Auf der anderen Seite wird  die Jagd oft als ein Privileg gesehen, das nur von einem kleinen Teil der Bevölkerung durchgeführt werden kann. Die Ausbildung und die Ausrüstung sind teuer. Für landschaftlich schöne Jagden mit hohem Tierbesatz müssen oft hohe Pachtzinsen gezahlt werden. Auslandsjagden in Afrika oder Rußland zum Zweck des ungestörten Frönen des Schießens, Prominentenjagden in oft überbesetzten Bergwaldrevieren werfen ein sehr negatives Bild auf die Gruppe der Jäger.

Hinzu kommt eine gewisse Machtposition der Jagdinteressen gegenüber den Interessen der betroffenen Grundeigentümer. Und diese Machtposition wird oft auch noch politisch gestützt, wie man immer wieder in den Medien erkennen kann.Die Trophäenjagd (die Ergebnisse werden in den jährlichen Hegeschauen dargestellt)  hat nicht den ökologischen Nutzen der Jagd  oder die sinnvollen Verwertung der Tiere zum Ziel, sondern betont eher die sportliche Variante der Jagd und führt zu einem einseitigen Abschuss von Böcken beschränkt auf wenige Wochen im Jahr. Die Anpassung der Jagdzeiten der Böcke an die Zeiten für das gesamte Schalenwild ist vielmehr erforderlich.

Die Jagd muss nach den Regeln des Tierschutzes ausgeübt werden. Fallenjagd und das Nichtverfolgen angeschossener Tiere sind Beispiele für unmoralische Methoden, die nicht zum positiven Bild des Jägers beitragen. Hingegen ist die winterliche Drückjagd eine Methode, mehr Wild auf einmal mit einer kurzen, intensiven Störung zu erlegen, als über Monate hinweg mit der ständig beunruhigenden Ansitzjagd. Falsche Jagdausübung kann  zum Schaden der Natur werden. Der Überbesatz mit Schalenwild durch falschverstandene Hege und Wildfütterung (Konrad Lorenz hat von der Verhausschweinung der Wildtiere gesprochen), die Verpachtung ökologisch hochsensibler Reviere wie z.B. die Kendlmühlfilzen oder andere Moorgebiete, die Wasservogeljagd, die meist auch viele nicht jagdbare oder geschützte Arten beeinträchtigt, der Abschuss von seltenen Arten aus  der als prähistorisch zu bezeichnenden Liste der jagdbaren Arten, all diese negativen Auswirkungen sind hier zu nennen und werden vom Bund Naturschutz immer wieder angeprangert.

Das  Bild des Jägers hat also viele Facetten, ebenso die Einstellung der einzelnen Jäger. Wichtig wird es vor allem sein, dass in Zeiten des rasant fortschreitenden Klimawandels, von dem der Wald besonders betroffen ist, eine enge und flexible Zusammenarbeit zwischen Jägern, Förstern, Waldbesitzern und anderen Naturschützern möglich wird. Das Selbstverständnis des Jägers muss auf den Natur- und Artenschutz ausgerichtet sein.