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Bürgerinitiative „Rettet den Haidforst“

Update März 2017: "Interkommunales Gewerbegebiet Nußdorf / Traunstein" ?

Und wieder werden Begehrlichkeiten wach - unter dem Titel "Interkommunales Gewerbegebiet mit Nußdorf" besteht die Gefahr der Rodung von fast 30 ha Waldfläche, die nach dem Waldfunktionsplan als Erholungswald ausgewiesen ist. Darüberhinaus ist der Haidforst ein wichtiger Frischluftspender für den Norden Traunsteins und wertvoller Lebensraum für Flora und Fauna.

Den Leserbrief unserer Kreisvorsitzenden finden Sie   hier...


Bürgerinitiative "Rettet den Haidforst" besteht weiter

Im Juni 2013 wurde durch Stadtratsbeschluss die geplante Flächennutzungsplanänderung zurückgenommen, das heißt kein Güterterminal und keine Vorratsausweisung für Gewerbe im Haidforst. Für die Bürgerinitiative "Rettet den Haidforst" war dies natürlich ein Grund zum Jubeln, und es stellte sich die Frage, ob die Bürgerinitiative nun aufgelöst werden kann. Es wurde jedoch beschlossen, die BI weiter bestehen zu lassen und sich in dreimonatigem Rhythmus weiter zu treffen.


Bürgerinitiative „Rettet den Haidforst“ am 26. November 2009 gegründet

Werner Siegl als Vorsitzender gewählt - 80 Teilnehmer bei der Gründungsversammlung

Der Widerstand gegen die Änderung des Flächennutzungsplanes im Haidforst, in dem bis zu 29 Hektar des Waldes in ein Gewerbegebiet umgewidmet werden (wir berichteten mehrfach darüber), hat sich am Donnerstag Abend in Traunstein formiert. Im Saal des Brauerei Ausschank Schnitzelbaumer am Taubenmarkt wurde die Bürgerinitiative „Rettet den Haidforst“ gegründet, kurz „pro Haidforst“. Unterstützt wird die Initiative vom Bund Naturschutz, dem Landesbund für Vogelschutz, sowie der Traunsteiner Liste, Bündnis 90/ Die Grünen und der SPD.

Beate Rutkowski, 1. Vorsitzende des Bund Naturschutz, Kreisgruppe Traunstein deren Organisation für die Veranstaltung verantwortlich zeichnete, kritisierte in ihrer einleitenden Rede die „Bevorratung“ der künftigen Gewerbeflächen: „Hier zeigt sich, daß der Bedarf derzeit gar nicht gegeben ist.“ Die Fraktionsvorsitzenden aus dem Traunsteiner Stadtrat, Ingrid Bödecker (SPD), Wilfried Schott (die Grünen) und Dr. Rainer Schenk von der Traunsteiner Liste sowie der 1. Vorsitzende des Landesbund für Vogelschutz Kreisgruppenvorsitzender Frank Weiß gingen in kurzen Stellungnahmen auf ihre Gründe ein, die zur Ablehnung der städtischen Pläne zur umfassenden Ausweisung von Gewerbeflächen im Stadtwald Haidforst geführt hätten. Der Wald sei für das Stadtklima und für die ganze Bevölkerung nötig führte beispielsweise Schott aus. Dr. Schenk suchte eine Balance in der Abwägung der Argumente: „Wenn man ökonomische, ökologische und soziale Belange gleichwertig nebeneinander betrachtet, kann man der Gewerbeausweisung so nicht zustimmen.“ Boedecker wies darauf hin, dass man sich von Seiten der SPD vor Allem auch an der Größe der Umwidmung störe. Man stelle statt der Ausweisung im Traunsteiner Norden Grundstücke in Haslach zur Alternative, da dieser Standort „verkehrstechnisch voll erschlossen sei. Alles Gewerbe möglichst auf einen Punkt zu konzentrieren ist keinesfalls günstig.“

Ruthkowski wies auf die Bedeutung des regionalen Waldes als Wasserspeicher und Filter hin, was gerade in Regionen mit Starkregen von enormer Bedeutung sei. „Wenn wir weitere Flächen versiegeln, geht das Wasser in die Traun.“ Der Haidforst sei „eine der drei grünen Lungen“ neben dem Bürgerwald und Froschham in Kammer.

Anschließend stellte Rutkowski die rechtlichen Formen einer Bürgerinitiative vor: Loser Zusammenschluß oder Verein, verbunden mit umfangreichen gesetzlichen Vorschriften sei die Frage. Man hatte sich schnell für die erste Variante entschieden und mit dem ehemaligen Traunsteiner Stadtrat Werner Siegl aus Wolkersdorf auch gleich den einzigen Kandidaten für den Vorstand parat, der von den anwesenden einstimmig gewählt wurde. Weitere Mitglieder des Arbeitskreises in den bewusst keine Mandatsträger gewählt wurden, sind der Vorstandssprecher der Traunsteiner Grünen Wolfgang Wörner, Rosemarie Berger aus Kotzing, Denis Holl aus Haidforst und der FOS/ BOS-Lehrer Christian Mayer. Das Gremium verstehe sich bewusst als offener Arbeitskreis, das Dritten zur Mitarbeit offen stehe.

Viele Teilnehmer an dem Abend waren auch bei den beiden vor Ort Terminen vor einigen Wochen mit dabei, an denen der Traunsteiner Stadtförster eine Waldbegehung durchführte und sich auch Traunsteins Oberbürgermeister Manfred Kösterke den Fragen der beiden Gruppen stellte. Trotzdem besteht offensichtlich weiterer Gesprächsbedarf wie die umfangreiche anschliessende Diskussion zeigte und in denen die Fragen nach dem langfristigen Bedarf an Gewerbeflächen in Traunstein genauso ein Thema waren, wie der „Wettlauf nach Gewerbesteuerzahlern“unter den angrenzenden Gemeinden. Auch der Verdacht, dass es mit der Ausweisung nicht um eine Gewerbepolitik sondern um „die Sanierung des städtischen Haushalts“ gehe wurde geäußert. Zentrale Fragen beschäftigten sich auch mit der Entscheidung und Notwendigkeit des Nussdorfer Güterterminals.

Siegl führte aus, dass man in der Bürgerinitiative kurzfristig keine weiteren Aktionen plane sondern auf die Aufstellung eines Bebauungsplanes warte. „Wir halten das am Köcheln und zeigen dass wir mit unserem Anliegen da sind.“ Später wolle man aber falls erforderlich alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen. Die ausgegebenen Unterstützerlisten wolle man zu gegebener Zeit Oberbürgermeister Kösterke übergeben. „Und auch die Traunsteiner Stadträte werden wir mit diesen Interessensbekundungen konfrontieren.“

Rutkowski wies zum Abschluss nochmals drauf hin, dass man für die Bürger hier weitere“Aufklärungsarbeiten“ leisten wolle und eine Waldbegehung mit allen Stadträten durchführen wolle.

Zur Homepage der Bürgerinitiative

Erläutern bei der Gründungsversammlung der Bürgerinitiative „Pro Haidforst“ die Waldgrenzen: Beate Rutkowski, 1. Vorsitzende des Bund Naturschutz, Kreisgruppe Traunstein. Links daneben der gewählte Vorsitzende der Initiative Werner Siegl.

Freuten sich über eine erfolgreiche Gründungsversammlung der Bürgerinitiative „Pro Haidforst“: Beate Rutkowski, 1. Vorsitzende des Bund Naturschutz, Kreisgruppe Traunstein. Links daneben der gewählte Vorsitzende der Initiative Werner Siegl.

Der Haidforst

Der Stadtwald Traunstein (insgesamt ca. 530 ha) umfasst neben vielen kleineren Waldflächen vor allem drei große, zusammenhängende Waldbereiche: Haidforst im Norden, Bürgerwald im Südosten und Froschham bei Kammer.

Der Haidforst ist ein wichtiger

  • Erholungswald: Bei jedem Wetter werden Jogger, Spaziergänger, Reiter,Schulklassen etc. im Haidforst angetroffen. In diesem großen und floristisch und faunistisch vielfältigem Gebiet kann man „Wald“ auch stadtnah erleben.
  • Schutzwald für die nördlichen Stadtviertel wie Haidforst und Kotzing: Die Stürme Kyrill (2007) und Paula (2008) haben große Schäden im Haidforst hinterlassen. Ohne die Barrierewirkung dieser großen, zusammenhängenden Waldfläche wären die Schäden in bebautem Gebiet wesentlich größer gewesen.
  • Wirtschaftswald: Die tiefgründigen, nährstoffreichen Böden bewirken ein gutes Holzwachstum, die ebenen Flächen und die gut vernetzten Forstwege ermöglichen eine kostensparende Holzbringung. Aus diesem Grund ist der Haidforst ein wirtschaftliches „Sahnestück“ des Stadtwaldes, mit dem Verlust dieser Flächen ist die insgesamt gewinnbringende Bewirtschaftung des Traunsteiner Stadtwaldes wohl nicht mehr möglich.
  • Wald für Natur-, Arten- und Klimaschutz: Seit Jahrzehnten wird gerade im Haidforst Waldumbau hin zu einer gesunden Mischkultur betrieben. Die Artenvielfalt nicht nur bei den Baumarten, sondern auch in der Strauch- und Krautschicht ist hoch, seltene und z.T. geschützte Tierarten (z.B. Feldermäuse, Dohlen...) haben hier ihren Lebensraum.
    29 ha Waldfläche sind ein wichtiger Teil der „grünen Lunge“ für unsere Stadt und dienen der Sauerstoffproduktion, der CO2-Bindung, als Feinstaubfilter und zum Temperaturausgleich (Kleinklima).

Daneben dient der Haidforst seit vielen Jahren als Versuchsfläche für wissenschaftliche Untersuchungen des Lehrstuhls für Waldwachstumskunde der TU Weihenstephan.