Zur Startseite
  • EU-Wahl 2024
  • Aktuelles
  • Kinder+Jugend
  • Newsletter

Was wir tun können

Natur & Garten

Veranstaltungen

Frühere Aktionen

Auf die richtige Erde achten!

Viele Hobbygärtner kaufen in diesen Tagen Blumenerde ein, um den Garten frühlingsfit zu machen. Doch Vorsicht: Die meisten Produkte bestehen überwiegend aus Torf. Torfabbau zerstört unsere Moore und fördert die Klimakrise. Chemische Düngemittel und Pestizide sollten ebenfalls tabu sein. Die Kreisgruppe Traunstein des BUND Naturschutz gibt Tipps, worauf man beim Einkauf im Baumarkt oder Blumenhandel achten sollte.
Handelsübliche Blumenerde besteht überwiegend aus Hochmoortorf, der durch Abbau natürlicher Moore gewonnen wird und diese zerstört. „Moore bestehen aus Torf, der sich im Laufe tausender Jahre aus den abgestorbenen Teilen von Pflanzen bildet und damit Kohlenstoff speichert. Torfabbau ist nicht nur schädlich für Moore und damit fürs Klima, sondern auch überflüssig, denn kaum eine Gartenpflanze braucht Torf“, erklärt Beate Rutkowski vom BUND Naturschutz.

Für den Torfabbau werden Moore entwässert. Dadurch verlieren seltene und vom Aussterben bedrohte Tiere und Pflanzen, von denen viele nur in Mooren vorkommen, ihren Lebensraum. In Bayern sind 95 Prozent der Moore trocken und verursachen mit etwa fünf Millionen Tonnen Co2-Äquivalenten einen Anteil von rund sechs Prozent der energiebedingten bayerischen Treibhausgasemissionen. In Bayern ist der Torfabbau weitgehend eingestellt, daher kommt viel Torf aus den noch weitgehend natürlichen Mooren Ost-Europas. „Moore, vor allem im Baltikum und Osteuropa, werden zerstört, nur damit in unseren Gärten Rhododendren oder Dahlien optimal versorgt werden. Dabei gibt es in jedem Gartencenter torffreie Erde zu kaufen“, weiß Beate Rutkowski. Aber Achtung: Viele Gärtner greifen immer öfter zur sogenannten Bio-Erde. „Bio“ bedeutet nicht gleich torffrei! Der BUND Naturschutz bittet darum, auch auf torfreduzierte und torfarme Erde zu verzichten. „In Zeiten von Klimawandel und Artensterben darf kein Kompromiss mehr gemacht werden – auch nicht beim Gärtnern“, so Beate Rutkowski. (Mehr Infos hier).

Ein weiteres Problem sind künstliche Düngemittel. Laut Umweltbundesamt gelangen jährlich 50 Kilogramm Stickstoff pro Kopf in die Umwelt. Das meiste davon über die Landwirtschaft. Trotzdem kann jeder Hobbygärtner helfen, diese Masse einzudämmen. „Wenn jeder nur das düngt, was Pflanzen für ihr Wachstum brauchen, hätten wir weniger Probleme“, erklärt Beate Rutkowski. Die Realität sieht leider anders aus: Überschüssige und fehlplatzierte Düngemittel werden ausgewaschen und landen im Grundwasser. Besser ist deshalb auf Chemie ganz zu verzichten und lieber mit Kompost zu düngen. Das schont nicht nur die Moore, sondert liefert der Pflanze alle wichtigen Nährstoffe, die sie nach und nach braucht (Mehr Infos hier).

Kleingärtner und Hausmeistereien hantieren zudem oft mit der Giftspritze -  pro Jahr werden in Deutschland in privaten Gärten hunderte Tonnen Gift verteilt. „Das können durchaus die gleichen Stoffe sein, die auch auf dem Acker verwendet werden, zum Teil sogar unter gleichem Markennamen. So ist das Breitband-Herbizid Roundup vom Monsanto-Konzern bei Landwirten und Hobbygärtnern gleichermaßen beliebt“, erklärt Beate Rutkowski. Doch der Einsatz lohnt sich nicht. Wir vernichten dadurch die Vielfalt im Garten, gefährden unsere Gesundheit und schädigen nachhaltig die Umwelt. Mit dem Gift werden nicht nur ungeliebte Gäste und Beikräuter getötet, sondern auch erwünschte Insekten und Pflanzen. Der BUND Naturschutz bittet alle Hobbygärtner, auf Pestizide zu verzichten: Das Summen und Brummen im Garten genießt man besser ohne Gift.

 

Gärtnern am besten ohne Torf

Nun beginnt für Garten- und Balkonbesitzer wieder die Pflanzsaison. Das Angebot an Blumenerden ist riesengroß, aber die meisten Erden enthalten immer noch Torf aus schützenswerten Hochmooren, meist aus Finnland, dem Baltikum oder Weiß-russland, aber auch aus Deutschland. Torf trägt durch seine grobfaserige Struktur zur Bodenbelüftung bei und kann das vier- bis zehnfache seines Gewichtes an Wasser speichern. Diesen positiven Eigenschaften stehen aber auch viele negative Aspekte gegenüber.

Vielen Hobbygärtnern ist nicht bewusst, dass sie mit dem Kauf von torfhaltiger Erde zur Zerstörung wertvoller und schützenswerter Moore beitragen. Der in unseren Gärten und im Landschaftsbau eingesetzte Torf wird in Hochmooren gewonnen, die über Zehntausende von Jahren gewachsen sind. Durch den großflächigen Frästorfabbau werden heute noch intakte Hochmoore irreversibel zerstört. Seltene Tier- und Pflanzenarten verlieren ihren Lebensraum. Aus diesem Grund sollte man auf Torf im Garten gänzlich verzichten. Allein in Deutschland werden alljährlich ca. 10 Millionen Kubikmeter Torf verbraucht, etwa 2,5 Millionen Kubikmeter davon werden in Säcken an Freizeitgärtner verkauft.

Moore, vor allem die torfreichen Hochmoore, leisten durch die Einlagerung von pflanzlichem Material - also Kohlenstoff - einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Nur 3 Prozent der Erdoberfläche ist von Mooren bedeckt, aber dort lagern 30 Prozent der weltweiten Boden-Kohlenstoffvorräte!

Bei einer Verwendung des Torfs beispielsweise in Blumenerde werden die Kohlenstoffe bei der Verrottung in Form von Kohlendioxid wieder freigesetzt. Nach Angaben des BUND und EURONATUR werden allein in deutschen Mooren so jährlich durch Trockenlegung und Abbau 42 Millionen Tonnen an Kohlendioxid freigesetzt. Zudem setzt ein beschädigtes Moor große Mengen an Lachgas frei, das über 300 Mal klimaschädlicher ist als Kohlendioxid.

Es ist sehr wichtig, dass sich der Staat, die Kommunen, die Bürger, Vereine und Landwirte vor Ort für die Renaturierung wertvoller Hochmoore einsetzen, wie jetzt im Vorhaben zur Renaturierung des Waginger Weitmooses angedacht. Dazu im Widerspruch steht aber, wenn gleichzeitig in Osteuropa ein Vielfaches der Moorflächen zur Torferzeugung für unseren Gartenbau zerstört wird!

Der Einsatz von Torf ist auch für die Bodenlebewesen und die Pflanzen nicht immer von Vorteil: Torfpflanzen machen nicht nur das Moor sauer, sondern auch die Gartenerde. Dadurch können gebundene Schwermetalle freigesetzt werden, die dann von den Pflanzen aufgenommen werden. Dies ist besonders in Gemüse- und Kräuterbeeten von Nachteil.

Torf enthält kaum Nährstoffe und trägt wenig zum Pflanzenwachstum bei. Darum werden viele käufliche Torfsubstrate mit Kunstdüngern versetzt. Ist der Torf einmal ausgetrocknet, dann verliert er seine wasserspeichernde Fähigkeit.

Dabei gibt es viele Alternativen bei der Zusammenstellung der Blumenerden, die im Gegensatz zu Torf die Böden nicht versauern und die Wasseraufnahmefähigkeit verbessern. In vielen Gartencentern und Blumenläden gibt es inzwischen torffreie Erdsubstrate mit Kokosfasern und Rindenhumus, ein Blick auf die Liste der Inhaltsstoffe gibt Sicherheit. Rindenkompost kann wegen seines erhöhten Säuregehaltes anstelle von Torf für Rhododendren- und Erikabeete verwendet werden.

Im Garten kann man Erde auch selbst mischen aus Gartenerde, reifer Komposterde, Laubkompost, Holz- oder Kokosfasern, Lehm und etwas Sand. Es gibt z.B. in Eine-Welt-Läden gepresste Kokosfasern aus Fairem Handel zu kaufen. Damit werden Kleinbauern in Ländern des Südens unterstützt. Kokosfasern trocknen etwa genauso schnell aus wie Torf, sie nehmen aber bis zu 30 Prozent mehr Feuchtigkeit auf. Die Kokos-Ziegel werden in einem Verhältnis von 1:9 bis 1:10 in Wasser aufgelöst und dann mit den übrigen "Zutaten" gut vermischt.

So kann jeder Einzelne schon beim Erde-Kauf einen Beitrag zum Erhalt unserer wertvollen Moore mit einzigartigen Tier- und Pflanzenarten und zum Klimaschutz leisten.

Dipl.Biol Beate Rutkowski, Sprecherin AG Artenschutz und Streuobst in der Ökomodellregion

Die .pdf-Version zum Ausdrucken finden Sie hier...

Den BUND-Einkaufsführer "blumenerde ohne Torf" finden Sie hier...