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Flächenverbrauch

„Wie schaut´s denn hier aus?“ Freiflächen schützen – Lebensqualität erhalten

Bund Naturschutz Vorstandsmitglied Hierneis beim Vortrag zum Thema Flächenverbrauch. Foto: BN
Bund Naturschutz Vorstandsmitglied Hierneis beim Vortrag zum Thema Flächenverbrauch. Foto: BN

unter diesem Titel hielt Christian Hierneis, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe München und Mitglied des Landesvorstandes am 29.6.18 einen Vortrag in Traunstein.

Der Landkreis Traunstein liegt in der massiv wachsenden Metropolregion München, aber auch im Einzugsgebiet der Stadtregion Salzburg. Das macht Traunstein attraktiv für die Ansiedlung von Gewerbe und bedeutet steigenden Wohnungsbedarf.

Wir verlieren dadurch jedes Jahr fast einhundert Hektar an freier Fläche für Natur und Lebensmittelproduktion. Waldflächen verschwinden, Wiesen und Felder werden zugebaut, Lebensräume werden zerschnitten und die Heimat verändert sich immer mehr. Das alles bedeutet erhebliche Probleme für die Artenvielfalt, aber auch für die Menschen einen Verlust an Lebensqualität.

Die Kreisgruppe Traunstein wollte mit diesem Vortrag im Vorfeld des hoffentlich im November stattfindenden Volksbegehrens „Betonflut eindämmen“ die Argumente für eine andere Landesplanung darlegen.

Hierneis ging auf die aktuellen Entwicklungen in der Metropolregion München ein. Trotz Vollbeschäftigung würde der Freistaat intensiv Werbung für Firmenansiedelungen vor allem in den Metropolregionen machen, ohne sich zu überlegen, wo die dafür notwendigen Flächen zur Verfügung stehen und wo der ebenso notwendige bezahlbare Wohnraum für immer mehr Arbeitsplätze herkommen soll. Gleichzeitig würden in vielen Regionen Bayerns nicht nur Gewerbeflächen, sondern auch Häuser und Wohnungen ungenutzt leerstehen.

Mehr Arbeitsplätze in München würde auch mehr Bevölkerung und damit noch mehr Verkehr, mehr Infrastruktur (Schulen, Kindergärten, Straßen etc.) mehr Lärm und Abgase und einen Verlust an Grünflächen bedeuten. Die Bereitstellung von ausreichend Trinkwasser sei ebenso ein Problem, wie die zunehmende Hochwassergefahr durch Versiegelung oder die schwierigere Versorgung mit regionalen Lebensmitteln. „Die Lebensqualität in der Stadt sinkt rapide, dann ziehen die Menschen eben ins Umland bis nach Traunstein“, so Hierneis.

Das größte Problem sei, dass die meisten Kommunen kein Konzept, keine Strategie und keine Zielvorstellungen hätten, sondern einfach nach Angebot und Nachfrage planen würden, ohne die Folgen zu beachten.

Es müssten dringend Strategien zum Flächensparen und zur Verbesserung der Lebensqualität und für gerechte und gleichwertige Lebensverhältnisse erarbeitet werden, die ein Ausbluten des ländlichen Raumes und eine Überhitzung der Metropolregionen in Bayern verhindern.

Dabei müssten die natürlichen Lebensräume und die Ressourcen bestmöglich geschützt werden und der Flächenverbrauch drastisch reduziert werden. Das geplante und beantragte Volksbegehren „Betonflut eindämmen“ würde Staat und Kommunen dazu zwingen, diese Strategien endlich zu erarbeiten. Ein Weiterso darf es auf keinen Fall gebe!


Unbegrenzter Flächenverbrauch durch falsche Raumplanung - Pressefahrt des BUND Naturschutz zum Negativbeispiel "Sondergebiet Brückner" bei Tittmoning

BUND Naturschutz - Pressefahrt Kiebitzbrutgebiet
Auf einem der letzten unersetzlichen Lebensräume des im Alpenraum vom Aussterben bedrohten Kiebitzes rollen nun die Bagger. V.l. Ilse Englmaier (1. Vors. BN-Ortsgruppe Tittmoning), Beate Rutkowski (1. Vors. BN-Kreisgruppe Traunstein und Mitglied des BN-Landesvorstandes), Prof. Dr. Hubert Weiger (1. Vorsitzender BUND Naturschutz in Bayern). Foto: BN

Weil die Bundesregierung europäisches Artenschutzrecht noch nicht in deutsches Recht umgesetzt hat, musste der BUND Naturschutz (BN) die Klage gegen das Bauvorhaben der Fa. Brückner im Salzachtal bei Tittmoning zurücknehmen. Dieses vernichtet einen der letzten unersetzbaren Lebensräume des im Alpenvorland vom Aussterben bedrohten Kiebitzes und der in unserem Landkreis von einem massiven Rückgang bedrohten Feldlerche.  Mehr dazu...

Der BUND Naturschutz fordert wirksameren Schutz der bayerischen Kulturlandschaft und keine weitere Aufweichung der landesplanerischen Vorgaben. Das Anbindegebot muss aufrecht erhalten werden um die Landschaftszersiedelung nicht noch stärker anzuheizen. Der aktuelle Neubau der Firma Brückner im Salzachtal bei Tittmoning mitten in der freien Landschaft veranschaulicht eindrucksvoll wohin die Entwicklung nicht gehen darf. Mehr dazu...


Seminar „ Flächensparen zwischen Herausforderung und Illusion“ am 21.11.2014

Die Referenten bei der Schlussdiskussion am Podium, von links: Dr. Franz Dirnberger (Gemeindetag), die Bürgermeister Markus Reichart (Heimenkirch im Allgäu), Hans-Jörg Birner (Kirchanschöring) und Hans Urbauer (Kienberg), Dr. Christine Margraf (Bund Naturschutz) und Christina von Seckendorff (Umweltministerium). Foto: Beate Sachs

137 ha Fläche wurden im Jahr 2013 im Landkreis Traunstein für neue Wohn- und Gewerbegebiete und den Straßenbau „verbraucht“! Das meiste davon waren landwirtschaftlich genutzte Flächen, aber auch wertvolle Strukturen wie Waldflächen, Hecken und Streuobstwiesen sind verschwunden. Und es geht weiter: Auch in diesem Jahr hat die KG schon 58 Stellungnahmen mit einem Gesamtflächenverbrauch von über 100 ha abgegeben. Und nicht alle Vorhaben gehen über unseren Schreibtisch!

„So kann es nicht weitergehen“, das waren auch die Worte des früheren Umweltministers Dr. Marcel Huber bei der Chiemseekonferenz 2013 zu diesem Thema.
Wir können unsere Befürchtungen natürlich in jeder Stellungnahme formulieren, aber das hilft insgesamt nicht weiter.

Aus diesem Grund haben wir am 21.11.2014 ein Seminar unter dem Titel „ Flächensparen zwischen Herausforderung und Illusion“ in Traunstein abgehalten. Neben Frau Dr. Christine Margraf vom Bund Naturschutz standen als Referenten die Ministerialrätin im Umweltministerium, Frau Christina von Seckendorff, der Direktor des bayerischen Gemeindetages Dr. Franz Dirnberger und die beiden Bürgermeister Markus Reichart (Markt Heimenkirch) und Hans-Jörg Birner (Gemeinde Kirchanschöring) zur Verfügung.

Unser Ziel war es, das Thema zu diskutieren, die Dringlichkeit aktiven Handelns deutlich zu machen und mit guten Beispielen Anregungen für die Kommunalpolitik zu geben.
Etwa 50 Besucher, darunter Bürgermeister, Gemeinderäte, Planer, Behördenvertreter (Kreisbaumeister, UNB), Vertreter der Landwirtschaft und viele BN-Aktive haben intensiv mitdiskutiert.

Der BN hat dabei deutlich gemacht, dass Freiwilligkeit allein offensichtlich nicht reicht, sondern dass durch geänderte Rahmenbedingungen(z.B. Reform der Grund- und Gewerbesteuer) mehr Anreiz zum Flächensparen gesetzt werden muss.

Den Presseartikel finden Sie hier ...

Hier können Sie einige der Vorträge einsehen:

Bgm. Reichart
Bgm. Reichart, Fotos: Beate Sachs
Seminar Flächensparen in Traunstein
Die Pause bot Gelegenheit, mit den Referenten ins Gespräch zu kommen
Seminar Flächensparen - BUND Naturschutz Traunstein
Seminar Flächensparen - MRin Christina v. Seckendorff (rechts) und Dr. Margraf
MRin Christina v. Seckendorff (rechts) und Dr. Margraf
Seminar Flächensparen - Mitinitiator war Bgm Hans Urbauer
Mitinitiator war Bgm Hans Urbauer
Seminar Flächensparen - v.l.: Dr. Dirnberger, Bgm. Reichart und Bgm. Birner
v.l.: Dr. Dirnberger, Bgm. Reichart und Bgm. Birner