MenuKreisgruppe TraunsteinBUND Naturschutz in Bayern e. V.

Erneuerbare Energien

Die Energiewende ist ein gesellschaftliches Gesamtprojekt, das nur
gelingen kann, wenn sich alle an den dafür notwendigen Investitionen
und Kosten beteiligen und möglichst viele Bürger an der Wertschöpfung
beteiligt werden. Einen Gastbeitrag zu diesem Thema hat unser Landes-
und Bundesvorsitzender Hubert Weiger für die Frankfurter Rundschau
geschrieben. Ebenfalls in der Frankfurter Rundschau erschien im März 2013 ein Kommentar zu den Plänen von Umweltminister Altmaier zur Strompreisbremse.

Kommentar Hubert Weiger und Ulrich Schneider zur Energiewende (März 2013)

Gastbeitrag Prof. Dr. Hubert Weiger FR zur Strompreisentwicklung (August 2012)

BN-Flyer "Energiewende von unten: Selbst weitermachen!" (2015)


Energiewende nachhaltig und naturverträglich gestalten

Veranstaltung der Ortsgruppe Obing des Bund Naturschutz

Obing (ig). Nicht die Steigerung der Stromproduktion aus erneuerbaren Energiequellen treibt in Deutschland die Energiekosten für die Privathaushalte in die Höhe, sondern der Energiehunger unserer Gesellschaft – so die grundlegende Aussage von Beate Rutkowski, Kreisvorsitzende des Bund Naturschutz Traunstein, die auf Einladung der Ortsgruppe Obing die Position des Bund Naturschutz in den Auseinandersetzungen um die Fortführung der Energiewende deutlich machte.
„Nur wenn wir unseren Energieverbrauch insgesamt senken, können wir die Energiewende nachhaltig und naturverträglich gestalten.“ Denn auch die Nutzung erneuerbarer Energien sei mit Eingriffen in die Natur verbunden, erneuerbar bedeute nicht automatisch nachhaltig. Gleichzeitig könne durch Energieeinsparungen jeder einzelne seine Energiekosten senken, höhere Strompreise durch die erhöhte Erneuerbare-Energien-Umlage könnten damit mehr als ausgeglichen werden.

Die großen Energiekonzerne schürten die Angst vor der Strompreiserhöhung durch vermehrte Nutzung regenerativer Energien, weil sie den Atomausstieg rückgängig machen und das Erneuerbare-Energien-Gesetz als Ganzes in Frage stellen wollten, war die Einschätzung der Bund-Naturschutz-Kreisvorsitzenden. Tatsächlich seien die gegenwärtigen Energiekostensteigerungen nur zu einem ganz geringen Teil auf die Förderung der Erneuerbaren Energien zurückzuführen.

Ein durchschnittlicher Haushalt in Deutschland bezahle etwa 1000 Euro jährlich für Strom, aber etwa 2000 Euro für Heizung und nochmals 2000 Euro für die Mobilität seiner Mitglieder. Die Preissteigerungen bei Öl belasteten die privaten Verbraucher also wesentlich mehr als die Erneuerbare-Energien-Umlage in den Stromkosten, die auch bei 5,28 Cent pro Kilowattstunde 2013 etwa 0,4 Prozent des Budgets eines Durchschnittshaushalts ausmachten. Wenn man den Strompreis selber betrachte, so Beate Rutkowski weiter, sei nur für ein Drittel der Steigerung der Verbraucherpreise um 10 Cent pro Kilowattstunde seit 2002 die Erneuerbare-Energien-Umlage verantwortlich, denn diese stieg im selben Zeitraum nur um drei Cent.

Und die Umlage könnte wesentlich niedriger sein, wenn sie alle Verbraucher in gleichem Maße tragen würden. Tatsächlich gebe es eine Reihe von Großverbrauchern aus der Industrie, die überhaupt keine oder eine reduzierte EEG-Umlage zahlen, entsprechend der sogenannten „Besonderen Ausgleichsregelung“, um ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit nicht zu gefährden. Mit dieser Begründung sei jedoch die Ausdehnung dieser Privilegien auf immer mehr Betriebe nicht zu rechtfertigen. Außerdem profitierten die meisten Industriebetriebe, die direkt an der deutschen Strombörse in Leipzig einkaufen, zusätzlich von sinkenden Preisen, an die privaten Endverbraucher werden die Stromverbilligungen jedoch nicht weitergegeben.

Investitionen in Stromerzeugung und –verteilung würden in nächster Zeit auch ohne Energiewende nötig, um veraltete Kraftwerke und Leitungssysteme zu erneuern, machte Beate Rutkowski deutlich. Auch dann würden die Stromkosten steigen. Deshalb setze sich der Bund Naturschutz für Investitionen in jenen Umbau des Energiesystems ein, der am wenigsten Folgekosten durch Umweltschäden verursacht.

Wenn in Obing um erneuerbare Energien diskutiert wird, stehen immer auch die geplanten Windräder am Scheitzenberg zur Debatte. Der Bund Naturschutz befürworte grundsätzlich den Bau von Windrädern, um möglichst viel Strom mit möglichst wenig Eingriff in Natur und Umwelt zu erzeugen, legte die Traunsteiner Kreisvorsitzende möglichen Nachbarn des konkreten Vorhabens dar. „Im Einzelfall müssen wir jedoch sehr genau hinsehen, in welchem Maße naturschutzfachliche Belange berührt werden. So werden wir am Scheitzenberg gut aufpassen, dass alle Untersuchungen gründlich durchgeführt werden.“

Inge Graichen
Ortsgruppe Obing