Wir-haben-es-satt-Demonstration in Berlin

Seit 10 Jahren findet parallel zur Grünen Woche die Demo "Wir haben es satt" in Berlin statt. Auch heuer war wieder ein Bus voll Teilnehmender aus Traunstein und Berchtesgaden, organisiert vom Agrarbündnis BGL/TS und vom Bund Deutscher Milchviehhalter, mit dabei.

BN-Mitglieder aus Traunstein in Berlin. Die weite Anreise lohnt sich. Foto: Hermann Eschenbeck

Wo kommen denn alle her? - natürlich viele aus Bayern! Foto: Hermann Eschenbeck

Antonio Andrioli spricht gemeinsam mit Vandana Shiva auf der Bühne der WHES Demo. Foto: Hermann Eschenbeck

Viele Ortsschilder und Traunstein ist auch dabei! Foto: Klaus Lintzmeyer

18.01.2020

"Gerade in diesen aufgeregten Zeiten, in denen die Landwirte für die Zukunft ihrer Höfe kämpfen, ist es wichtig, dass Landwirte und Verbraucher gemeinsam auf die Straße gehen und gegen Agrarindustrie, die Vergiftung von Böden und Grundwasser und gegen das Preisdumping im weltweiten Lebensmittelhandel protestieren", betonte Leonhard Straßer, der Sprecher des Agrarbündnisses.

Neben Vertreter*innen von Imker*innen, Umweltgruppen wie Bund Naturschutz, Forum Ökologie und Landesbund für Vogelschutz und Friedensinitiativen waren auch ganz viele Landwirte*innen mit dabei.

"Es war ein ergreifendes Gefühl, dass über 170 geschmückte Bulldogs mit Bauern auf der Straße waren, die die Freude an Ihrem Beruf und die Hoffnung auf eine Zukunft Ihrer kleinbäuerlichen Betriebe ausstrahlen" betonte Gertraud Angerpointner, Landesvorsitzende der ABL. Sie forderte von den beiden Landwirtschaftsministerinnen, sich von der Einflussnahme des mit der Industrie stark verwobenen Deutschen Bauernverbandes zu emanzipieren, nur so lasse sich Agrarpolitik für Bauern und Bäuerinnen, Menschen und Natur durchsetzen.

Auch Liesi Aschauer, Landwirtin aus Rückstetten und aktiv im BDM hat auf dieser Demo nur Wertschätzung für die Landwirtschaft erfahren und keine Diffamierung. Und Maria Mayer vom BDM Berchtesgadener Land ergänzt: "Wir brauchen eine Zeitenwende im Agrarbereich hin zu einer zukunftsorientierten ökologischen Wirtschaftsweise. Die Tierbestände müssen der verfügbaren Fläche angepasst werden, denn weniger ist oft mehr. Eine gewässerschonende Düngung ist sonst nicht möglich."

Georg Planthaler, Vorsitzender der ABL-Regionalgruppe betont, dass die "Wir haben es satt"-Demo sich nicht gegen die Bauern und Bäuerinnen richte, sondern für eine bäuerliche Landwirtschaft, demonstriert werde, gegen die Agrarindustrie in den vor- und nachgelagerten Bereichen der Landwirtschaft wie Chemie- und Futtermittelindustrie und die Verarbeitungsindustrie sowie gegen Preisdumping durch die Vermarktungskonzerne. Diese kassierten die von den Bauern und Bäuerinnen mit mühsamer Arbeit erwirtschafteten Gewinne. Eine weitere Forderung sei die Umverteilung der EU-Agrarmittel von den Großbetrieben zu den Kleinbetrieben, denn 20% der Betriebe kassierten derzeit 80% der flächengebundenen Fördermittel, das dürfe so nicht bleiben.

Franz Hunglinger, Landwirt aus Vogling war bei der Fahrt mit dabei, weil er mit seiner umweltschonenden flächengebundenen Tierhaltung mit unter 2 GV und geringerer Milchmenge kostengünstig wirtschaften muss. So sei z.B. die geplante Schleppschlauchverpflichtung für kleine Bergbauern kostenintensiv, unökologisch und kaum praktikabel.

Franz Vollmaier, der Vorsitzende des Verbandes bayerischer Bienenzüchter fordert den sofortigen Stopp von Pestiziden wie Glyphosat und Neonikotinoiden. In Brandenburg würden gerade Imker*innen in die Pleite getrieben, weil tonnenweise Honig mit Glyphosat verunreinigt worden sei und damit zu unverkäuflichem Müll werde.

Auch der Bund Naturschutz setzt sich für eine flächengebundene Landwirtschaft ein. Beate Rutkowski, Kreisvorsitzende und Mitglied des Landesvorstandes ist auch deshalb von Anfang an mit dabei. "Wir fordern geänderte Rahmenbedingungen zum Erhalt der bäuerlichen Kleinbetriebe, damit sie weiter naturverträglich und tiergerecht (am besten biologisch) für die regionale Vermarktung produzieren können. Wir dürfen in Bayern und Deutschland nicht für den Weltmarkt produzieren, sondern für unsere gesunde Ernährung und den Erhalt der Artenvielfalt und die Gewinne müssen für die Bauern und Bäuerinnen und kleinen Verarbeitungsbetriebe in den Regionen bleiben."