Exkursion in den Pflanzgarten
Am Mittwoch, den 24.06.2026 fand abends eine Exklusiv-Führung für Mitglieder der Bürgerinitiative „Wir für den Wald – Klimaschutz in Traunstein“ und des Bund Naturschutz Kreisgruppe Traunstein statt. Andreas Ludwig, der die Anlage bereits seit fast 30 Jahren leitet, führte die Gruppe persönlich. Man erlebte eine sehr schöne und informative Zeit auf dem Gelände und genoss den wohltuenden Baumschatten bei der aktuell herrschenden Extremhitze.
Die Interessierten bekamen zunächst Informationen über die Entstehung und Geschichte der Anlage, die Planungen für eine autarke Energieversorgung und natürlich über „das Kerngeschäft“, die Gewinnung von Saatgut und Pflanzen, welche den Herausforderungen des Klimawandels in unseren Breiten hoffentlich standhalten können. Herr Ludwig steckte an, mit seiner Begeisterung und beschrieb, wie z. B. zwei Krähenpaare, eines lebt wohl am südlichen Ende, das andere am nördlichen Ende des Geländes – freiwillig und kostenlos – durch ihre Anwesenheit die gesamte Anlage vor dem Einfall von Jungkrähen- und Dohlenschwärmen schützen.
Er beschrieb kurzweilig und anschaulich, wie es ihm und seinen Mitarbeitern nach und nach gelungen ist, Humus in den intensiv genutzten Böden aufzubauen, der zum besseren Gedeihen der Pflanzen beiträgt, Kosten und Aufwand für z. B. Düngung spart und dabei hilft, das Wasser auf der Fläche zu speichern. Gerade in Zeiten von zunehmender Klimaerwärmung, bei gleichzeitigem Wassermangel und Extremwettereignissen sei dies ein ganz wichtiger Baustein für ein erfolgreiches und langfristiges Flächenmanagement in einer Forstbaumschule. Alle Flächen seien bepflanzt – mit Forstpflanzen oder mit Pflanzen, die der Gründüngung dienen, um den wertvollen Boden zu schützen, nichts liegt brach. Besonderes Augenmerk werde bei Flächen, die aus der kurz- oder langfristigen Baumschulnutzung genommen werden, auf die insektenfreundliche Bepflanzung gelegt, denn die Bestäuber und alle anderen Arten sind wichtige Teile des natürlichen Kreislaufes.
Die Teilnehmenden der Exkursion lernten allerhand an dem Abend, über alte seltene Arten, die auf der Anlage kultiviert werden, z. B. Rosenarten, die einst besonders an unseren Waldrändern und im Gebirge vorkamen und mittlerweile kaum noch zu finden sind. Die Eibe sei beispielsweise in früheren Jahrhunderten in Deutschland massenhaft entnommen worden, so dass man heute überwiegend schlechtwüchsige Individuen vorfindet, halt das, was noch übrig war. Die ursprüngliche und gesunde Wuchsform der Eiben ist eine durchaus andere, als wir sie kennen. Und dass die Blätter von Stechpalmen im Wald nur in dem Teil zur Verteidigung stachelig sind, in dem sie vom Wild gefressen werden können. Die Blätter oberhalb des Äsers ähneln einem Lorbeerblatt und sind nahezu stachellos.
Andreas Ludwig erklärte anhand der im Gelände vorhandenen Linden, wie die Saatbäume beerntet werden und wie vermehrt wird, damit – ohne künstliche Eingriffe in die Genetik der Pflanzen – die erwünschten Ergebnisse zustande kommen. Das erfordert viel Fachkenntnis, Erfahrung und Zeit, schließlich ist es eine Tatsache, dass erst die nächste oder übernächste Generation davon profitiert, was heute richtig gemacht wird. Oder mit den Folgen auskommen muss, wenn etwas nicht gelingt. Auch in der Zukunft braucht es die vielfältigen Funktionen eines gesunden Waldes für den Arten- und Naturschutz, für den Boden- und Wasserhaushalt, für Erholung und einfach der Schönheit wegen - und es braucht das Holz als Bau- und Möbelholz und zur Energiegewinnung und zum Heizen.
Eine große Sorge sei, dass kaum gutes, an wärmeres und trockneres Klima angepasstes, alternatives Forstsaatgut aus anderen Ländern zu bekommen ist, denn diese Länder brauchen ihres selbst. Überall leiden die Wälder unter dem Klimawandel und müssen für die Zukunft gerüstet werden. In Frankreich, das uns aktuell als Saatgutlieferant für manche Baumarten dient, holt man sich beispielsweise schon Saatgut aus Nordafrika in der Hoffnung, dass diese Bäume mit den steigenden Temperaturen in Frankreich in der Zukunft auskommen.
Derzeit wird im Pflanzgarten Laufen eine neue Produktionshalle mit über 2.000 qm Grundfläche – speziell für die Saatgutaufbereitung und -lagerung errichtet. Damit will man seitens der Bayerischen Staatsforsten ein deutliches Signal setzen, wie wichtig die langfristige Investition in die Grundlagen unseres Waldes – dem Forstvermehrungsgut - ist. 1914/1915 wurde in Laufen in die erste Bayerische Forstsaatgutaufbereitung investiert, um für die unterschiedlichen Waldstandorte in Bayern – vom Flachland bis ins Hochgebirge und von den Flussauen bis auf die trockenen Kalkstandorte im Frankenjura standortangepasste Forstpflanzen bereitstellen zu können. Und mit der neuen Halle geht man nun einen Schritt weiter und investiert in die Bereitstellung hoffentlich anpassungsfähigen Vermehrungsgutes, um unsere Wälder in Bayern, auch in den Zeiten des Klimawandels, fit und widerstandsfähig zu halten.
Bericht: Claudia Lahr











