Waldumbau und angepasste Jagd sind untrennbar verbunden
BUND Naturschutz Traunstein besucht „Waldbesitzer des Jahres“ in Wonneberg
Bei schönem Herbstwetter wanderten etwa zwanzig Exkursionsteilnehmer durch den Wald von Stefan Strasser am Wonneberg und bewunderten die Ergebnisse der jahrzehntelangen Arbeit in anspruchsvollem und zum Teil steilen Gelände.
Stefan Strasser, der vom Deutschen Landwirtschaftsverlag nach einer Abstimmung aufgrund seines besonders großen Einsatzes für den Wald und die Forstwirtschaft zum Waldbesitzer des Jahres 2026 gekürt wurde, erläuterte an vielen Beispielen vor Ort seine Bemühungen zum Waldumbau. Dabei setzt er fast ausschließlich auf die Naturverjüngung und versucht, teure Pflanzungen zu vermeiden.
„Die Eiche vermehrt sich an vielen Stellen von selber, ein Grund ist sicher, dass bei uns im Revier keine Eichelhäher geschossen werden, und natürlich die auf ein waldverträgliches Maß angepassten Wildbestände“, erläuterte der Waldbauer, „aber auch die Tanne, Buche, Hainbuche oder Bergulme kommt von selbst, wenn durch die Entnahme von Altbäumen mehr Licht auf den Boden kommt und ausreichend Mutterbäume für das Saatgut im Bestand zu finden sind“.
Leider gäbe es kaum eine Förderung für Naturverjüngung, während die teuren Pflanzungen mit tausenden von Euro pro Hektar gefördert werden. „Hier könnte sehr viel Steuergeld gespart werden, die Natur bildet fast überall von selbst einen artenreichen Mischwald“.
Über 21 Baumarten könne er derzeit in seinem Wald zählen, das sei wichtig, weil nicht absehbar sei, welche Arten eine Zukunft haben oder ausfallen würden. Aber die Grundvoraussetzung für diese Artenvielfalt sei eine angepasste Jagd. Damit die Lieblingsbäume der Rehe wie Tanne, Eiche oder Vogelkirsche gut wachsen können, müsse der Wildbestand auf ein für den Wald erträgliches Maß reduziert werden. „Seit wir hier in der Jagdgenossenschaft eine Eigenbewirtschaftung betreiben, bei der die Waldbesitzer sich gemeinsam mit Jägern um die Wildbestände kümmern, geht es unserem Wald immer besser und das zeigt auch das forstliche Vegetationsgutachten“, so Strasser.
Die Teilnehmer nutzten die Gelegenheit, viele Fragen zu stellen. Dabei kam nicht nur der Umgang mit den kleinräumigen vom Borkenkäfer geschädigten Beständen zur Sprache, sondern auch die Art der Holzbringung im steilen Gelände. So sei die Bringung mit Seilwinden zwar bodenschonend, könne im Jungwald aber erheblichen Schaden anrichten. Daher ist eine sinnvolle Erschließung des Waldes entscheidend. Wichtig sei immer eine differenzierte Abwägung und die Schonung des Waldbodens. Die Rückegassen dürften auch bei flächigen Schadereignissen nicht verlassen werden.
Besonders am Herzen liegt Stefan Strasser auch das Thema Totholz. So stehen überall im Gelände auch abgestorbene dicke Buchen, die als stehendes Totholz Lebensraum für viele Pilzarten, Insekten und Höhlenbrüter bilden. Nicht als Nutzholz verwertbares Bruchholz und Äste bleiben im Wald liegen. „Das Holz verrottet und wertet den Waldboden mit Nährstoffen auf, zudem wird im mulmigen Totholz und im Waldhumus viel Wasser gespeichert“, so Strasser.
Zu einem naturnahen Wald gehören nicht nur die Bäume, sondern auch die Arten- und Lebensraumvielfalt. So freuten sich die Naturschützer über die Sichtung von Feuersalamandern auf ihrem Weg von den feuchten Bachlebensräumen in die Winterquartiere oder über das Plätschern des Wassers in einer geschützten Kalktuffquelle.
Viele verschiedene Pilzarten konnten bewundert werden. „Dass wir bei der Waldbewirtschaftung auch Rücksicht auf diese Lebensräume und die Artenvielfalt nehmen, ist für uns selbstverständlich“, so Strasser.
Auf die Frage nach der Wirtschaftlichkeit erklärte Strasser, dass auch die naturnahe Waldbewirtschaftung einen Beitrag zum Einkommen leisten kann und soll, die Holzvermarktung ist leider im Kleinprivatwald ein Problem, da in artenreichen Wäldern viele verschiedene Sortimente in kleinen Mengen anfallen – hier müssen noch Lösungen gesucht werden, um die Dauerwaldbewirtschaftung auch für kleine Waldbesitzer wirtschaftlich interessanter zu machen.
Bericht: B. Rutkowski











